Spectaculum 2007

18. & 19. August 2007
Planwiese Telgte

Zu den Fotos vom Spectaculum

Am 18. und 19. August 2007 war es in Telgte (bei Münster) mal wieder nicht zu übersehen, zu überhören oder zu überriechen: Die Planwiese im Herzen des kleinen Städtchens wurde wie jedes Jahr zum Schauplatz mittelalterlichen Treibens. Der recht stolze Preis von mittlerweile 13 Euro hinderte uns nicht daran, uns an jenem sonnigen Samstag mehr als 500 Jahre in die Zeit zurück versetzen zu lassen und einen außergewöhnlichen Tag zu genießen.
So erkundeten wir nach und nach die über 100 Stände, an denen Handwerker ihre Werke ausstellten und verkauften, Händler ihre Ware anpriesen, Köche ihre vielfältigen Speisen anboten und lauschten den Kleinkünstlern, die auf den verschiedenen Bühnen das Publikum mit Geschichten und Gaukelei belustigten. Es gab auch interessante Show-Schwertkämpfe; das große Ritter-Turnier mit Pferden und einem Drachen in einem separaten, gut abgezäunten Bereich gegen Aufpreis hatten wir uns allerdings gespart. Von der großen Hauptbühne erklangen Dudelsäcke (bzw. "Sackpfeifen"), Trommeln und Schalmeien, und über all dem lag der Geruch von Feuer, Erde, Stroh und herzhaften Köstlichkeiten, der dem Mittelaltermarkt seinen ganz eigenen Charme verleiht.

Beim Stöbern und Stehen bleiben lohnt es sich auch, sich einfach mal umzudrehen, denn kleinere Theater- oder Musikergruppen bewegen sich auch frei auf dem Gelände um zu performen. Um im mittelalterlichen Jargon zu bleiben: Im Programm werden diese Künstler als "Walking Act" bezeichnet.
Schnell lassen sich Besucher von jenen, die in irgendeiner Weise mit dem Markt zu tun haben, anhand der Kleidung unterscheiden. Letztere finden wir nämlich anständig in Leinenkleider oder Rüstung gewandet und obendrein meist in damaliger Sprache sprechend vor.
Rothaarigen Besucherinnen kann es, völlig unabhängig von ihrer Kleidung, durchaus passieren, dass sie lautstark als Hexe bezichtigt und abgeführt werden. Keine Sorge, frau muss nur soviel mitspielen, wie sie selbst wünscht (ich erinnere mich nur zu gut an meine Zeit mit rot gefärbtem Haar, in welcher ich kurz nach Betreten eines Mittelaltermarktes wehrlos auf den Schultern eines starken Mannes kurzerhand auf die Wasserprobe gestellt werden sollte - ich blieb dann doch trocken…).
Ich muss einfach auf die Speisen, die angeboten wurden, eingehen, denn abgesehen davon, dass niemand auf einem Mittelaltermarkt hungern muss, sollte man sich im Gegenteil diese Köstlichkeiten nicht entgehen lassen. Kostprobe gefällig? Wir finden von Grillstationen über Stände für Pfannkuchen, Süßwaren, vegetarische Reispfannen und Falafeln, Apfelringe und Waffeln bis hin zu einer Brotbäckerei alles was der Gaumen begehrt - leider zu stolzen Preisen, aber man kann sich ja einmal etwas gönnen, oder?

Auch den Getränken sei eine Zeile gewidmet: Es gibt guten Wein, eine orientalischen Teestube und natürlich jede Menge Tavernen. Mit Met… Vom so genannten "finsteren" Mittelalter aus den Geschichtsbüchern, an welches man mit Grauen und Schrecken denkt, fehlt hier jede Spur. Nicht, dass wir auf der Planwiese keine Bettler in Käfigen, Streckbänke oder Pestumzüge finden würden - die Anzahl der Stoff-Morgensterne für Kinder hält sich allerdings mit denen der ausgestellten Echten die Waage. Da wir gerade von Kindern sprechen: Die Kleinen kommen in Telgte ganz und gar nicht zu kurz. Viele Gaukler richten sich an das ganz junge Volk, zaubern, jonglieren oder spielen ein Puppentheaterstück. Darüber hinaus gibt es Bogenschießen, Holz- und richtiges Ponyreiten, Karusselfahren, Möglichkeiten sich mit Holzschwertern zu duellieren oder "Stroh-Zonen" um einfach nur darin zu toben (nicht dass auf letzteres auch Erwachsene kommen würden…).

Ein wenig ab von all dem bunten Treiben finden wir das so genannte Heerlager, ein regelrechtes Zeltdorf, in welchem die meisten Händler und Künstler ganz traditionell für die Zeit des Spectaculums leben. Doch sie sind nicht allein, viele Mittelalter-Fans schließen sich heutzutage zu Interessensgemeinschaften zusammen und lernen und leben gemeinsam die alten Bräuche. So lernten wir beim Spaziergang durch den besagten Teil des Spectaculums einiges über Schwertkampf-Techniken, die Funktion von Religion oder die eines Kaufmanns, welches an dieser Stelle wiederzugeben den Rahmen sprengen würde. Festzuhalten ist, dass ein Gewandeter auf einem Mittelaltermarkt durchaus gern sein Wissen an Laien weitergibt.

Zu fortgeschrittener Stunde fand dann auf der Hauptbühne das große Traumspektakel statt. Zu mysteriös-esoterischen Klängen (z. B. - leider vom Tonband - von Mila Mar) ließen uns mehrere Feuerkünstler ihr Geschick im Umgang mit Feuer und Flamme bestaunen. Nach und nach wurden die Flammen höher und erstreckten sich weiter in den Himmel bis es zum Abschluss ein kleines Feuerwerk gab. An dieser Stelle verließen Aiko und ich das Spectaculum, obwohl es sich natürlich noch gelohnt hätte zu bleiben, spielten doch noch Cravem Aventure. Am Sonntag gab es statt Cravem Aventure Konzerte von Saltatio Mortis und Cultus Ferox. Die Bands spielen schon tagsüber mehrere kleinere Konzerte in regelmäßigen Abständen, abends jedoch länger und mit aufwändigerer Show.
Zusammenfassend bleibt zu sagen: Statt das Fürchten vor dem so genannten "finsteren" Mittelalter gelehrt zu werden, wird dem Besucher des mittelalterlichen Spectaculums viel Spaß und Unterhaltung geboten. So mancher wird sicher durch die besondere Atmosphäre des Spectaculums für einen kurzen oder langen Moment in jene Epoche zurück verzaubert.

Eona

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