Bochum Total

23. & 24. Juni 2007
Bochum Innenstadt

Zu den Fotos vom Festival

Tag 1

Auch dieses Jahr wartete das Bochum Total, das Festival mit freiem Eintritt, das im Zentrum von Bochum stattfindet, mit einigen alternativen Künstlern auf.
Der Freitag (und damit auch dieser Bericht) begann an der Ringbühne mit einem Auftritt der extra aus Zürich angereisten Metallspürhunde. Als ich die Bühne -fahrlässigerweise 25 Minuten zu spät- erreichte, war gerade alles in heller Aufregung und zahllose Kameras richteten sich nicht zur Bühne, sondern ins Publikum. Die erste Verwirrung wurde schließlich dadurch aufgeklärt, dass man Michael Frasse, den Sänger, zwar hörte, aber auf der Bühne vergeblich suchte und stattdessen den kleinen Gnom mit dem knuffigen Iro, der sich da zwischen den Zuschauern herumtrieb, als eben diesen identifizierte. Ein vorbildliches Beispiel für Publikumsnähe, wie sie sein sollte! Ähnlich ansprechend und mitreißend ging die Show dann auch weiter. Auch auf der Bühne war der Sänger das wesentliche Showelement, die restlichen Bandmitglieder erledigten pflichtbewusst ihre Aufgaben, tanzten und bewegten sich ein wenig mit, mehr aber auch nicht. Das war allerdings auch nicht nötig, da Michael diese Aufgabe wirklich sehr überzeugend erfüllte - er ging von einer Seite der Bühne zur anderen, beugte sich zu den Zuschauern vor, untermalte den Gesang mit Mimik und Gestik und animierte das Publikum erfolgreich zum "Mitmachen". Bei "Obszöne Neue Welt" erreichte er mit dem Werfen und Verteilen von 10.000$-Banknoten (von denen auch ich mir neun Stück als Andenken mitnehmen konnte) einen weiteren Höhepunkt der Show und machte sich damit erneut auf den Weg durch die Menge. Der Auftritt war wirklich sehr überzeugend, der Sänger hat die Energie rübergebracht, die so ein Konzert braucht, und die Menge damit vollkommen zu Recht für sich gewonnen, so dass schon zu so früher Stunde reichlich Bewegung und aktive Beteiligung am Konzert zu beobachten war. Nach der Show wurde von Marion, der Keyborderin, noch direkt vor der Bühne Merchandise verkauft. Wer sich die Musik dieser noch vergleichsweise unbekannten Band zu Gemüte führen möchte, hat dazu auf ihrer Homepage, auf der es neben Hörproben auch eine Gratis-EP zum Downloaden gibt, und auf ihrer MySpace-Seite Gelegenheit.

Danach stand die Bielefelder Metalcombo Xandria auf dem Programm. Trotz des ewig langen Soundchecks, den Gerit, der Drummer, mit seinem Monstrum gebraucht hat, haben sie doch noch fast pünktlich angefangen. Sängerin Lisa klang stimmlich beim ersten Lied noch ein wenig schwach, hat sich dann aber schnell gesteigert - und was wirklich beeindruckt hat, war ihr Grunting! Leider konnte man es nur bei 3 Liedern (den größten Anteil hatte es bei Snow White, in der Studioversion ist es allerdings leider überhaupt nicht existent) bewundern... aber nichts desto weniger: Wow! Dass Grunzen so klingen kann, ist definitiv sehr beeindruckend und auch die Zuschauer bedachten diese Vielseitigkeit ihrer Stimme mit anerkennenden Kommentaren. Beschreiben lässt es sich leider nicht, das muss man wohl selbst gehört haben, um es nachvollziehen zu können. Auch der klare tiefe Gesang hat einfach weitaus mehr gerockt, als das typische Hohe-Frauenstimme-Metal-Gejohle, das die Show leider dominiert hat. Nun ja, das lässt sich wohl nicht ändern. Die "Show" zur Musik war größtenteils nicht erwähnenswert. Die Gitaristen bewegten sich mal von hier nach da, die Sängerin untermalte die Texte mit meist nicht all zu energiegeladenen Gesten und der Drummer drummte eben so vor sich hin. Für ein wenig Show wurde Sängerin Lisa dann bei einem längeren Part ohne Gesang durch eine Bauchtänzerin ausgetauscht. Wirklich aufgewertet hat das die Show aber nicht.
Insgesamt war es ein ganz solider Metalauftritt, der allerdings zu wenig schnelle, treibende Parts hatte, um das Publikum in Atem zu halten. Wenn sie da waren, war´s aber toll.
Fazit: Nett mit eindrucksvollem Frauengrunting! (Arch Enemy > Within Temptation)

Anschließend sollten dann die Münchener Faun spielen. Diese hatten allerdings offensichtlich mit technischen Problemen zu kämpfen, so dass die Zuschauer das erste Drittel der eingeplanten Spielzeit im Nieselregen standen, und auch als es endlich los ging kein störungsfreies Konzert zu sehen bekamen. Der ohnehin recht kurze Auftritt setzte sich etwa aus einem Drittel Musik, einem Drittel Gespräch mit der Technik und einem Drittel belustigenden Kommentaren zu den Problemen mit der Technik und den von Faun gewohnten Erklärungen zu den Liedern zusammen. Wie die Band mit den unverschuldeten Schwierigkeiten umging und dass sie trotz aller Widrigkeiten nie die gute Laune und den Willen, dem Publikum etwas zu bieten, verlor, färbte auch auf dieses ab. So war die Show zwar kein voller Erfolg, aber das von Oliver zum Ende der Show erklärte Ziel, dass sie wenigstens als sympathische Band in Erinnerung bleiben wollen, wurde sicher erreicht. Weitere Besonderheiten gibt es zu der Show nicht zu erzählen - in den Phasen, in denen alles mehr oder weniger funktioniert hat, war es eben wieder ein typisches Faun-Konzert. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders.

Letztendlich kamen dann als Headliner des Tages, ebenfalls ca. 15 Minuten verspätet, Rotersand auf die Bühne. Dieser letzte Auftritt hat auch nochmal eine Menge Spaß gemacht und den Abend wunderbar abgerundet. Auch hier stand - wie üblich - der Sänger (Rasc) im Mittelpunkt, der Rest der Band war aber ein wenig aktiver als bei den Metallspürhunden. Auch er hat seinen Job sehr gut gemacht und konnte mit einer gelungenen Mischung aus Tanz, Zuschauermotivation, Wortbeiträgen und Ansätzen von Schauspiel einen Großteil des Publikums dazu bewegen, den verfügbaren Platz zu tanzähnlichen, mehr oder weniger rhythmischen Bewegungen zu nutzen. Den Publikumsbesuch des Metallspürhunds hat Rasc allem Anschein nach auch als vorbildlich empfunden und es ihm gleichgetan. Ein Highlight der Show kurz darauf der Einsatz einer Akustik-Gitarre bei "One Level Down". Wirklich toll, wenn ein Konzert, das eigentlich durch den Einsatz von Elektronik gekennzeichnet ist, doch so vielseitig sein kann. Und zum vorletzten Stück haben sie sich dann noch was Besonderes einfallen lassen und Myk und Blonder von "The Fair Sex" auf die Bühne geholt, um gemeinsam den TFS-Song "Not Now, Not Here" zu performen. Die Kooperation kann man durchaus als gelungen bezeichnen, die beiden Bühnengäste haben alles gegeben, es hat absolut gerockt und zu Bewegungszwang geführt. Ein wundervoller Ausklang des Tages, bei dem man auch noch die letzte überschüssige Energie loswerden konnte.

Tag 2

Der nächste Tag begann an der Ringbühne mit einem Auftritt von Staubkind, gefolgt von Jesus On Extasy. Aus mangelndem Interesse an erster Band und einem verpassten Zug kann ich zu diesen beiden Auftritten leider nichts erzählen, mir ist aber zu Ohren gekommen, dass ich nicht viel verpasst habe. Die erste Band, die ich an diesem Tag erlebten wollte, war auf jeden Fall In Strict Confidence. Die Stimmung (und die Sicht auf die Bühne) wurde zwischenzeitlich durch einige kurze Regenschauer (und die daraus resultierenden aufgespannten Regenschirme) ein wenig gehemmt, aber an und für sich war sie, dem Auftritt gerecht werdend, gut. Was einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat, waren die "echten Instrumente", die es da auf der Bühne gab. Ein Keyboard (klar, muss ja), eine Gitarre, ein Bass und sogar... ein Schlagzeug! Wenn das mal keine gute Ausstattung für eine Band ist, die im Elektrobereich angesiedelt ist, dann weiß ich auch nicht. Diese Echtheit hat dem Auftritt auch einen Großteil seiner Qualität gegeben - wenn alles klingt wie auf CD und nur der Sänger was leistet, bekommt man halt oft das Gefühl, man hätte auch zu Hause den CD-Player anwerfen können. In diesem Fall war die Show weitaus besser als das, was mir von CD bekannt ist. Der Auftritt kam ohne große Showelemente aus, Dennis hat sich neben dem Singen eben auf der Bühne bewegt und das Puplikum motiviert und in den Pausen zwischen den Liedern ein paar Worte an die Zuschauer gerichtet, während der Rest der Band ausschließlich damit beschäftigt war zu musizieren. Da sie das sehr gut gemacht haben, war das auch vollkommen in Ordnung so. Dennis hat zudem durch sein sympathisches Auftreten und Antje (Co-Sängerin und Bassistin) durch ihr gutes Aussehen zur Qualität der Show beigetragen. Das ist aber eher als kleine Randnotiz zu sehen, auch vollkommen ungeachtet dieser kleinen Extras, hat die Band auf der rein musikalischen Ebene überzeugt. Live haben "In Strict Confidence" wirklich eine Menge zu bieten.

Anschließend kamen dann Das Ich als Headliner des Tages. Die Bühnendeko wurde zügig aufgebaut, der Soundcheck ging flott und somit wurde auch recht pünktlich angefangen. Das war aber auch schon fast alles Positive an dem Auftritt, der einen Gegensatz zum vorherigen darstellte. Bruno und der andere dicke Typ auf der Bühne schienen mit ihren Keyboards (?) und/oder dem sonstigen Elektrokram größtenteils dekorativen Zweck zu haben. Die Musik kam auf jeden Fall zu 99% aus der Konserve und dementsprechend langweilig war dieser Teil der Show auch. Stefans Gesang war recht ordentlich, Brunos Möchtegerngesang war nichts. Insgesamt nicht wirklich toll, sondern eine recht träge Vorstellung.
Die Performance bestand daraus, dass Bruno und sein dicker Freund mit ihren beweglichen Keyboards (?) vor und zurück gingen, während Stefan die Show bestimmte, von einer Seite der Bühne zur anderen rannte, einen verzerrten Gesichtsausdruck nach dem anderen auflegte, die irrsten Posen einnahm und das Publikum so recht erfolgreich motivieren konnte. Was er auf der Bühne abgezogen hat, verdient schon Respekt. Retten konnte er den Auftritt damit nicht, aber zumindest so weit motivieren, dass man nicht direkt nach Hause fahren musste. So schunkelte der halbwegs anspruchsvolle Zuschauer also von einem unspektakulären, klischeehaften Stück ihrer Discographie zum nächsten brav mit, hatte schließlich mit "Destillat", einem der wenigen relevanten Tracks ihrer Laufbahn, als letztem Stück seinen Spaß und ging danach nach Hause. Anspruchsvolle Zuschauer gab es aber scheinbar recht wenige, der Großteil der Zuschauer verhielt sich tatsächlich so, als wäre da gerade ein gutes Konzert im Gange. Nun ja, stempeln wir sie mal als anspruchslose Gruftis ab, die sich über jedes bediente Klischee freuen und den Auftritt somit lieben mussten. Denn wenn Gott tot und die Engel auf Erden taub sind, dann ist so ein Mensch natürlich glücklich, ganz egal wie die weiteren Umstände sind. War sonst noch was? Ach ja, Herr Kramm eröffnete dem Publikum vor "Gottes Tod", dass er und Stefan diesen Track produziert haben, als sie "total bekifft" waren (und andere Elektrobands das genau so machen sollten), und mit ihm den Gothic begründet haben... nun ja, letzteres zumindest so ungefähr. Und das war auch alles Wissenswerte. Das brauche ich nicht nochmal.

Es hätte zwar einen besseren Ausklang geben können, aber auch so hat das Bochum Total 2007 mir eine Menge Spaß gemacht - und das ohne einen Cent zu kosten. Ich freue mich aufs nächste Jahr.

Rayk

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