Batcafe Festival 2007

Zu den Fotos vom Festival

Voller Vorfreude auf einen schönen Konzertabend machten wir uns am Dienstag auf den Weg nach Hannover. Wir hatten nicht erwartet, dass anscheinend die ganze Bundesrepublik auf deutschen Autobahnen unterwegs war. Zum Glück waren wir rechtzeitig losgefahren, so dass wir gelassen von einem Stau zum nächsten schlichen. Als wir dann nach fast zweieinhalbstündiger Fahrt endlich das Musikzentrum Hannover erreichten, blieb uns noch etwa eine dreiviertel Stunde bis zum Beginn des Konzertes. Aus dieser Sicht beunruhigte mich auch die fast leere Location nicht wirklich.
Etwas befremdlich dagegen schienen mir die etwa 10 bis 15 an Groupies bei einem Tokio Hotel-Konzert erinnernden Mädchen, die mit Plakaten bewaffnet direkt vor der Bühne standen, um sich ihren Platz zu sichern. Die Wangen einiger dieser Girlies zierte die Aufschrift JOE, so dass es unschwer zu erraten war wem sie ihre Huldigungen darbieten wollten. So wunderte es mich auch nicht, dass einige von ihnen schlagartig auf Jesus On Extasy Gitarrist Chai zustürmten, um ein Foto mit ihm zu ergattern, als er sich im Vorderbereich der Bühne blicken ließ. Ungeachtet dessen kümmerte ich mich erst mal um existenziellere Probleme. Becks!!!
Dieses war für 2,50 £ an der Theke zu erstehen. Die Getränkepreise im Allgemeinen bewegen sich im Musikzentrum auf einem durchschnittlichen Niveau.
Auf den Beginn des Konzerts wartend, ließ ich meine Blicke durch den Raum schweifen und entdeckte, dass sich mit Honey von Welle:Erdball gerade noch ein weiterer Prominenter im Saal befand.

Dieser kündigte, als Moderator des Abends, als es denn endlich soweit war, Z.N.S. als erste Band des Abends an. Laut, schrill und energisch. Das trifft es wohl am ehesten, was dem Publikum boten. In Neubauten-Manier praktizierten sie ein akustisches Spektakel, das zu gefallen wusste. Das mittlerweile etwa 80 Personen umfassende Publikum verfolgte die Darbietung jedoch weitgehend regungslos. Ähnlich regungslos verhielten sich jedoch auch die Musiker auf der Bühne. Einzig der Sänger legte eine Dynamik an den Tag, die ich mir auch von den Zuschauern gewünscht hätte. Nach dem nur etwa 20minütigen Auftritt gab es zwar vereinzelt das Verlangen nach einer Zugabe, aber leider blieb sie uns auf Grund des strikten Zeitplanes verwehrt. Ein insgesamt sehr gelungener Auftakt, der mich auf mehr hoffen ließ. Es blieb nur abzuwarten, ob sich der Saal weiter füllen und die Stimmung aufheizen würde.

Mit Alien Skull Paint stand als zweiter Band dann bereits eine bekannte Formation auf der Bühne, was meine Erwartungen entsprechend hoch ausfallen lies. Auch hier war das Musikzentrum mit vielleicht etwa 120 Zuschauern nur halb gefüllt. Bereits nach den ersten Tönen, so muss ich leider gestehen, sah ich mich in meinen Erwartungen ziemlich enttäuscht. So gerne ich mir die CDs von Alien Skull Paint anhöre, so erschrocken war ich von der stimmlichen Leistung des Sängers. Leider wurden viele meiner Favoriten nicht gespielt, was wohl in erster Linie an dem einzuhaltenden Zeitplan lag. So kommt es, dass mir namentlich nur noch das zweite Stück des Sets "Citylights" und das gegen Ende gespielte "Invisible" im Kopf geblieben sind. Die Reaktion des Publikums blieb weiterhin während und nach dem Auftritt eher gemäßigt. Schade! Ich hatte mir ehrlich gesagt deutlich mehr versprochen. Im Anschluss dieses Konzerts leerte sich die Halle erst einmal und auch ich nutze die Zeit des Soundchecks, um etwas frische Luft zu schnappen. Was mich allerdings überraschte, war die Tatsache, dass vor dem Musikzentrum augenscheinlich mehr Menschen standen als bisher drinnen gewesen waren. Das ließ mich für den weiteren Verlauf des Abends auf eine Besserung der Stimmung hoffen!

Dies sollte sich allerdings zumindest für das nächste Konzert nicht bestätigen, obwohl mit Chris Reed eine wahre Ikone mit etwa 25 Jahren Bühnenerfahrung vor uns stand. So war auch klar, dass eine sehr professionelle Darbietung auf hohem Niveau geboten wurde, was aber leider ohne jegliche Euphorie oder Begeisterung seitens des Publikums aufgenommen wurde. Andererseits ist das musikalische Material von Chris Reed auch eher dazu geeignet es, vorzugsweise mit seinem Partner kuschelnd, auf sich wirken zu lassen, statt wild tanzend oder pogend durch den Raum zu springen. Trotzdem würde ich diesen Auftritt als überaus gelungen bezeichnen und jedem Fan der ruhigeren Töne empfehlen, sollte er einmal in die Gelegenheit kommen, sich ein Chris Reed-Konzert anzuhören, diese zu nutzen.

Wirklich überrascht war ich, als sich im Anschuss an dieses Konzert die Halle schlagartig füllte, um auf den Auftritt der mir vollkommen unbekannten Silvery zu warten. "Irgendwo zwischen Faith and the Muse und Massive Attack in bedrohlich wirkender Atmosphäre, gepaart mit einer Stimme wie Siouxsie Sioux. Eine paralysierende Mischung aus US-Gothrock und ambienten bis trippigen Atmosphären" - so lautete die verheißungsvolle Ankündigung auf der Batcafé-Homepage. Ich war gespannt. Tatsächlich boten sie einen sehr gelungenen Auftritt mit einer interessanten Bühnenshow, obwohl ich den oben genannten Vergleich für mich nicht ganz nachvollziehen konnte und sie auch nicht meinen persönlichen Geschmack trafen. Dies soll in keinem Fall die dargebotene Leistung schmälern, zumal auch ein Grossteil des im Musikzentrum befindlichen Publikums Gefallen an der Show zu finden schien, was sich trotzdem auch hier leider nur in mäßigen Gefühls- und Körperregungen zeigte. Nach der etwas über 30 Minuten langen Vorstellung war es erst einmal wieder Zeit um Frischluft zu schnappen.

Insbesondere, weil für den nächsten Auftritt mein persönlicher Höhepunkt des Abends in Form von Skeletal Family angekündigt war. Pünktlich um 22.30 Uhr begannen sie ihr Konzert mit einem für ihre Verhältnisse ziemlich ruhigen Titel. Es sollte dann aber auch der letzte ruhige Song in ihrem Set bleiben. Ich war bester Erwartung während des restlichen Konzertes nun nicht mehr zu Atem zu kommen. Aber… NIX!!! Voller Elan und Energie wirbelte Sängerin Claire über die Bühne. Und das war dann auch leider schon alles, was wirbelte. Ein sehr kurzfristiger Versuch vom Z.N.S - Sänger, einem weiteren Zuschauer und mir etwas Stimmung in die Bude zu bringen, scheiterte sehr schnell. Anscheinend war man hier nicht sonderlich offen für Bewegung im Publikum. So beschwerte sich eine Dame, die mit ihrem Bier mittig, etwa zwei Meter vor der Bühne stand, als sie beim Pogen leicht angerempelt wurde. Schade. Damit legte sich meine letzte Hoffnung auf ein stimmungsvolles Konzert und wir verbrachten den Rest der Zeit damit, ähnlich wie die meisten anderen auf der Stelle stehend mit minimalen Tanzbewegungen der Musik zu folgen. Kein sehr dankbares Publikum, für eine Band die seit den Anfängen der Batcave-Szene Musik und auch hervorragende Konzerte macht. Gerade einmal bei "Promised Land" schafften es einige wenige sich etwas mehr als einen halben Meter von ihrem Standort zu entfernen. Und ich glaube, ich habe sogar einen Menschen kurzfristig hüpfen sehen! Ein großes Lob an Skeletal Family, die eine hervorragende, energiegeladene Show boten, die leider nur unzureichend vom Publikum gewürdigt wurde - wie fast alles an diesem Abend.

Dass besonders der nächsten Band, Jesus On Extasy, an diesem Abend wohl eine erhöhte Aufmerksamkeit entgegengebracht werden sollte, war für mich bereits nach dem ersten Betreten der Halle an diesem Abend klar. So war ich wenig verwundert, als die bereits zu Anfang erwähnten Groupies in eine leichte Hysterie gerieten.
Noch kurz Zeit für frische Luft. Nach etwa 10 Minuten, die ich nutzte um etwas abzukühlen und vor allem meine Ohren zu entspannen (denn es war zeitweise wirklich extrem laut in der Halle) gesellte ich mich zu den anderen nunmehr etwa 200-250 Leuten, die gespannt auf das vermeintliche Highlight des Abends warteten. Als dann Sänger Dorian und der Rest der Band die Bühne betraten, steigerte sich das erwartungsvolle Applaudieren der Teens in der ersten Reihe in ein hysterisches Kreischen. Es ging allerdings in der brachial lauten Musik schnell unter. Jetzt wusste ich auch, warum an der Bar eine Warnung stand, dass die installierte Anlage in der Lage sei Pegel zu erreichen, die Schäden des Gehörs verursachen können. Mit Ausnahme der euphorisch kreischenden Menge in den ersten Reihen hielt sich das Publikum allerdings weiterhin ziemlich zurück. Gitarrist Chai begann beim dritten Titel "Holy Beauty" das Publikum immer wieder zum Springen und mitmachen zu animieren, was auch kurzfristig von Erfolg gekrönt war. Dies hielt aber leider nur solange an wie dem Publikum gezeigt wurde, was man sich von ihnen erhoffte. Einen kurzfristigen Höhepunkt fand das Konzert, als diverse Kleidungsstücke auf die Bühne flogen und Sänger Dorian versuchte diese anzuziehen. Leider war nichts Passendes dabei. Als zu fortgeschrittener Stunde ihr Hit "Assasinate me" gespielt wurde, gab es sogar tatsächlich einige, die ohne jegliche Aufforderung begannen zu tanzen und mitzufeiern. Das blieb jedoch leider eine Ausnahme. So verstrich der Rest des sehr guten Konzertes eher unspektakulär. Als Zugabe spielten die vier noch das sehr schnelle "Neochrome", bei dem mir endgültig der Sinn der kostenlos an der Theke erhältlichen Ohrenstöpsel bewusst wurde.

Nach Abschluss dieses Konzertes machten wir uns aufgrund der fortgeschrittenen Stunde und der einsetzenden Müdigkeit auf den Heimweg, obwohl im Anschluss eigentlich noch Angelspit spielen sollten. Das war uns einerseits entfallen, weshalb wir gar nicht darüber nachdachten noch etwas verpassen zu können, andererseits war es in Anbetracht der Dauer unseres Heimweges auch spät genug. Alles in Allem eine sehr gelungene Veranstaltung mit vielseitiger musikalischer Darbietung, meistens auch auf einem hohen bis sehr hohen Niveau, die aber in keiner Weise die verdiente Resonanz im Publikum fand.

Christoph

CaNo RSS Feed CaNo Newsletter


Cabaret Noir at MySpace



Deady - The Game



There To Go

Impressum