Emilie Autumn

Emilie Autumn

24. Juli 2007
Café Nachtleben, Frankfurt

Zu den Fotos vom Konzert

Am 24. Juli, nur 2 Tage nach ihrem Auftritt beim Amphi-Festival in Köln, luden
Emilie Autumn und ihre
Bloody Crumpets (Aprella, Lucina und Vecona) erneut in das "Asylum For Wayward Victorian Girls" ein, das an diesem Tag in Frankfurt gastieren sollte. Da es Emilies erstes Headliner-Konzert in Deutschland werden sollte und Frankfurt mit gut 3 Stunden Zugfahrt noch in erreichbarer Entfernung lag, machte ich mich also auf den Weg.
Der Beginn der Show war für 21:00, der Einlass für 20:00 angekündigt. Als ich gegen 19:15 das recht gemütlich wirkende Café Nachtleben erreichte, in dessen Kellerraum das Konzert stattfinden sollte, waren bereits einige mehr oder weniger typisch gekleidete Wesen zu erkennen und vor dem Zugang zum Konzertraum hatte sich bereits eine kleine Schlange gebildet. In der Erwartung, beim Konzert noch genug stehen zu können, entschloss ich mich dazu, mich vorerst nicht einzureihen, sondern an einem Tisch neben der Schlange Platz zu nehmen. So beobachtete ich, wie die Schlange mit der Zeit zügig länger wurde, bis die Wartenden sich schließlich bis vor die Tür stauten.

Etwa 10 Minuten nach der angekündigten Einlass-Zeit durften wir dann endlich den Weg in den Keller antreten - auf dem Weg bezahlte ich die recht günstigen 12£ für mein reserviertes Ticket und erhielt wie jeder Besucher eine Nummer (bei mir war es die 22) für die spätere Verlosung, sowie ein von Emilie signiertes Herzchen als Willkommensgeschenk - in meinen Augen eine sehr schöne und einfallsreiche Idee, die einem das Gefühl gab, nicht nur als Brieftasche, sondern als ganzer Mensch begrüßt zu werden. Als ich dann den großen Raum betrat, erspähte ich weiter verschiedene Möglichkeiten, seinen Geldbeutel zu erleichtern. Außer der kleinen Bühne, auf der das Konzert stattfinden sollte, gab es in dem Kellerraum noch eine Theke, an der man sich gegen Bezahlung vor der Austrocknung schützen konnte. Dazu einen Merchandise-Stand, an dem neben den üblichen T-Shirts und Buttons auch die neuen CDs ("A Bit O´ This & That" und das "Enchant"-Re-Release) sowie handgemachtes Merchandise, von blutenden Herzen zum anstecken, über Pestratten-Ringe, bis hin zu Blutkonserven-Halsketten verkauft wurden. Die handgefertigten Dinge waren selbstverständlich ein wenig teurer als die Massenproduktion, waren mit Preisen von 3 - 25£ aber dennoch erschwinglich. Außerdem wurden EA-Poster gratis verteilt.
Nachdem ich mir von all dem einen Eindruck gemacht hatte, suchte ich schließlich wieder meinen Platz in der zweiten Reihe des Publikums (ich war nicht alleine da, konnte mir den Platz also vorher "sichern") und wartete auf den Beginn des Konzertes. Währenddessen stieg die Zahl der Menschen in dem kleinen Kellerraum auf grob geschätzte 250 Personen an, womit dieser schon gut gefüllt war - und mit ihnen stieg die Temperatur, so dass das Warten zunehmend unangenehmer wurde. Die Stimmung im Publikum blieb aber trotzdem recht positiv und ich kam mit einigen anderen Besuchern ins Gespräch, so dass die Wartezeit ein wenig schneller verging.

Kurze Zeit nach dem geplanten Konzertbeginn ging es dann schließlich los - allerdings nicht mit dem erwarteten Auftritt von Emilie, sondern mit einem Überraschungskonzert von Lucina. Wortlos betrat sie die Bühne und bot dem Publikum einige Stücke ihres Soloprojekts "MyLucina" dar. Die ruhigen Lieder, die (ähnlich wie Emilies Stücke) in eine ganz eigene, fremde Welt entführen, waren eine sehr stimmige Einleitung für das anschließende Konzert. Eine gewisse Nervosität konnte man Lucina zwar zu Beginn des Auftritts ansehen, doch in der Qualität ihres Auftritts schlug sich das nicht negativ nieder - und spätestens ab dem zweiten Stück, bei dem die maskierte Emilie sie mit der Violine unterstützte, schien sie sich zunehmend sicherer und wohler zu fühlen. Leider war diese kleine Überraschung viel zu schnell zu Ende und anschließend hieß es wieder: Warten!
Etwa eine halbe Stunde später erklang endlich "A World Of My Own" und im Anschluss daran betraten Lucina, Vecona und Aprella zu einer Einspielung von "Best Safety Lies In Fear" die Bühne und zerrten Emilie hinter sich her, befreiten sie aus ihrer Zwangsjacke und setzten sie hinter das Keyboard. Nach einer kurzen Pause, in der absolute Stille herrschte, erklang schließlich das Intro von "Opheliac" und das Konzert begann. Zu Beginn des Auftritts wirkte das Publikum noch ein wenig verschlafen (oder hatten sie einfach nur Angst, weil die Bühne kaum erhöht war und Emilie und ihre Bloody Crumpets teilweise direkt vor ihren Nasen standen?), doch mit der Zeit tauten die Zuschauer auf. Es war Bewegung und kollektives Mitsingen zu beobachten und von Zeit zu Zeit hörte man auch den einen oder anderen amüsierenden Kommentar aus der Menge.
Zum Mitsingen hatte Emilie auch explizit aufgefordert, da die Technik in dem kleinen Laden wohl nicht dazu im Stande war, die Künstler auf der Bühne hören zu lassen, was sie eigentlich tun - also sollten die Zuschauer als Souffleure dienen. Neben diesen technischen Schwierigkeiten, gab es noch diverse weitere kleine Patzer (nach dem Konzert fiel die Aussage seitens der Bloody Crumpets, dass sie auf der Bühne über fast alles gestolpert seien, über das sie hätten stolpern können, einmal wurde ein falscher Song angespielt, und ähnliche Kleinigkeiten), doch diese Patzer trugen im Endeffekt nur dazu bei, dass die Menschen auf der Bühne eben wie solche wirkten und die Nähe zum Publikum, die ohnehin schon durch die geringe räumliche Distanz gegeben war, zu steigern. Dies wurde selbstverständlich auch durch die veganen Leckereien unterstützt, die während des Konzerts ins Publikum gegeben wurden und auch das gemeinsame Spielen mit herzförmigen Luftballons brachte Publikum und Künstler einander näher.

Insgesamt war die Show eine eindrucksvolle Mischung aus Musik, Theater, kleinen Kommentaren und letztlich erfolgreichen Motivationsversuchen in Richtung der Zuschauer. Die Bloody Crumpets beschäftigten sich und das Publikum während des Konzertes mit allerlei bemerkenswerten Darbietungen, vom gemütlichen Teetrinken, über den Kampf mit Säbeln und öffentliche Exekutionen von Plastikratten und Mitmusikern, bis hin zur Präsentation einer reichlich dämonisch wirkenden Aprella, die an einer Leine, die sich aus ihrem Mund entrollte, über die Bühne geführt wurde. Bei "The Art Of Suicide" erreichte die theatralische Darbietung ihren Höhepunkt. Während Emilie einen Scheintod starb, sorgten die Bloody Crumpets für die besungenen "arches of moonlight and sky" und kümmerten sich schließlich um die auf der Bühne liegende Emilie.
Neben diesem Theaterspiel sang Emilie sich während dem Konzert förmlich die Seele aus dem Leib. Gegen Ende des Konzertes mussten ihre Mitmusikerinnen, die sie auch schon durch Backgroundgesang unterstützt hatten, ihr den Schweiß vom Gesicht tupfen. Das Gesamtbild hätte kaum überzeugender sein können, alle 4 Künstlerinnen waren ganz eindeutig vollkommen bei der Sache und gaben alles, was sie konnten. Lediglich die Tatsache, dass der instrumentale Teil der Musik immer noch zu 99% vom Band kam, muss man wohl negativ anmerken. Doch als Entschädigung dafür legte Emilie als vorletztes Stück des Konzerts ein absolut beeindruckendes, knapp 7 Minuten andauerndes Violinensolo hin, das die Zuschauer atemlos zurückließ, als sie im Anschluss daran die Bühne verließ.

Die Zuschauer schienen noch zu überwältigt, um sich zu einigen, ob sie nun "eine Zugabe", "an encore" oder "one more" fordern sollten, doch letztendlich wurde sich auf das gut und rhythmisch brüllbare "Zugabe" geeinigt und kurz darauf standen Emilie und die Bloody Crumpets wieder auf der Bühne. Emilie verlangte vom Publikum, dass es bei diesem letzten Lied mitsingen sollte, ganz gleich ob sie den Text kannten oder nicht - es wäre kein Wunder, wenn sie ihn nicht kennen würden, da es schließlich eine B-Seite sei. Durch den spontanen Zuruf "Thank God you´re pretty!" aus der Menge, bewies das Publikum einerseits Humor und außerdem, dass selbstverständlich auch Emilies B-Seiten bekannt sind - und so legten sie dann auch mit eben jenem Stück los, mit dem sie sich dann - fürs Erste - verabschiedeten. Nach einigen weiteren "Zugabe"-Rufen tauchten die Bloody Crumpets wieder, mit einer kleinen Schatztruhe im Gepäck, auf der Bühne auf und begann mit der erwarteten Verlosung. Der Hauptpreis war eine (Plastik-)Ratte aus Emilies Asylum, mit Namen: Sir Edward! Nachdem dieser ein neues Heim gefunden hatte und außerdem ein Shirt nach Wahl verlost worden war, verschwanden die Crumpets wieder.
Die letzten verzweifelten Forderungen nach einer Zugabe waren zu hören und dann begann die Melodie von "Always Look On The Bright Side Of Life", gespielt auf einem Cembalo, zu erklingen. Unverkennbar ein Stück von Emilies neuem Raritätenalbum "A Bit O´ This & That" und für einen Großteil der Besucher offensichtlich eine eindeutige Aufforderung dazu, den ihnen bekannten Teil, also den Refrain, mitzusingen. Diese spontane Reaktion bewegte Emilie dazu, aus dem Backstagebereich mit einem Strauß Blumen in der einen und einer Flasche Bier in der anderen Hand zurück auf die Bühne zu kommen und tänzelnder Weise ihre Freude über das gelungene Konzert und die Beteiligung des Publikums zu zeigen.

Anschließend verschwand sie wieder in den Backstagebereich, das Publikum zerstreute sich und suchte Erfrischung an der Theke oder Merchandise am entsprechenden Stand und die Crew begann das Equipment abzubauen. Geraume Zeit später zeigte sich das Quartett dann aufs Neue den verbliebenen Besuchern und nahm an einem in der Zwischenzeit aufgebauten Tisch Platz, um für gemeinsame Fotos, das Signieren von Konzertkarten, CDs und Postern und für den Wechsel einiger Worte bereit zu stehen. Gegen Mitternacht wurden die letzten Besucher dann aufgefordert das Café Nachtleben zu verlassen, damit die Mitarbeiter nicht mehr all zu lang auf ihren Feierabend warten mussten.
So fand ein wundervoller Abend, der allen Anwesenden sicher in guter Erinnerung bleiben wird, viel zu früh sein Ende... doch im Dezember geht es ja wieder auf Tour, also darf man sich vorfreuen und gespannt sein, was einen auf den kommenden Konzerten erwartet.

Rayk

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