The Dirty Weather Project

31. August 2007
Zwischenfall, Bochum

Zu den Fotos vom Konzert
Zu den Fotos der Party

Verfrüht kam unsere Gruppe aus Fans und Interessierten am Zwischenfall in Bochum an, in freudiger Erwartung einer Premiere der besonderen Art. Denn nicht jeden Tag schließen sich zwei Szenegrößen vom Format eines Frank the Baptist und Lucas Lanthier zusammen, um gemeinsam für einige wenige Konzerte durch ausgesuchte europäische Clubs zu touren. Gespannt betraten wir also das Zwischenfall, eine der ältesten Kultdiscos der Szene. Doch was ein trauriges Bild bot sich uns im Erdgeschoss des Clubs: Kein dutzend Gäste hatten sich bisher eingefunden!
Trotz der frühen Stunde, die es vielleicht hätte erklären können: für mich war es ein kleiner Schock, und eine düstere Vorahnung, dass sich das Zwischenfall an diesem Abend auch nicht mehr auf die sonst üblichen Besucherzahlen füllen würde, kam in mir auf. Ich sollte leider Recht behalten, denn als endlich die Tore zur zweiten Ebene des Zwischenfalls geöffnet wurden, war die Besucherzahl kaum gestiegen. Oben, im Main Floor, hatten sich Frank und Lucas schon eingefunden, allerdings nur um sich einige Zeit ablichten zu lassen, daraufhin aber wieder zu verschwinden und für geraume Zeit auch nicht wieder aufzutauchen. Immerhin erhöhte sich die Anzahl der Gäste jetzt langsam auf ungefähr 50 schwarze Gestalten, bis das Konzert, mit erheblicher Verspätung, endlich begann.

Mit armlangen dünnen Stöcken bewaffnet, betraten die beiden Protagonisten die Bühne, um sich damit ein kurzes Duell im Degen-, oder besser Stockfechten, zu liefern. Passend zum Namen des Projekts, sollte "Dirty Weather" der rote Faden durch den Abend sein. Man stelle sich eine stürmische Nacht auf dem Meer vor, in welcher man sich möglichst unter Deck warm verpackt und alte Geschichten und Seemannsgarn erzählt und hofft, dass das Schiff den Sturm gut übersteht. Dazu passend hatten sich die beiden zurechtgemacht: angelehnt an die Seefahrer früherer Jahrhunderte trugen sie halblange Hosen mit hohen Strümpfen, Lucas dazu ein weißes Hemd mit knapper Weste, Frank ein geringeltes Hemd und den für ihn typischen Zylinder (ob man ihn auch ohne erkennen würde?).

Nun begann der musikalische Teil des Abends. Wie bereits angekündigt, standen diverse Stücke von Lucas Soloprojekt the Deadfly Ensemble und Lieder von Frank the Baptist auf dem Programm. Solo und manchmal auch im Duett sangen und spielten die beiden ihre Stücke, wobei sie ausschließlich halbakustischen Gitarren und Lucas Kindertrommel verwendeten. Die Instrumentierung fiel also recht minimalistisch aus, aber dadurch wurden die Stücke, gerade Franks, auf eine ganz eigene Weise präsentiert. Besonders beeindruckend war für mich, wie Lucas, der die Akkorde der Frank the Baptist-Songs bisher nicht kannte, regelmäßig nach einer Strophe Beobachtung den Rest des Liedes mitspielte, entweder rein unterstützend als zweite Gitarre oder frei improvisierend, dabei aber immer passend.

Vom angekündigten neuen, gemeinsam erarbeiteten Material gab es leider nur ein Lied zu hören. Auch wenn es dafür gleich zweimal, zu Beginn und in der Zugabe gespielt wurde- Franks Versuche das Publikum zum Mitsingen zu animieren, schlugen leider fehl. Das lag zum einen an der geringen Publikumszahl, wodurch sich nur langsam eine gemütliche Atmosphäre im stark unterfüllten Raum aufbauen konnte. Zum anderen sorgte die bei Konzerten übliche mangelhafte Akustik dafür, dass man außer "one, two, three" im Refrain kein Wort des unbekannten Textes verstand. Das, obwohl die beiden Musiker sich alle Mühe gaben und kaum zwei Meter entfernt standen. Die beiden Wahlberliner gaben sich wirklich alle erdenkliche Mühe: zwischen den Liedern gaben Lucas und Frank einige Geschichten passend zum Thema zum Besten. Lucas trug zwei Gedichte vor, von denen eines nach seiner Aussage erst auf dem Hinweg entstanden war. Dazu kamen ein weiterer Showkampf, einige zusätzliche Showeinlagen von Lucas, dessen schauspielerisches Talent man kaum genug loben kann, und einer herzlichen und intensiven Kommunikation beider mit dem Publikum. Trotz der Intimität der Veranstaltung durch die kaum erhöhte Bühne und den höchstens zwei Metern Abstand zu den Künstlern, sprang der Funke bei mir nur stellenweise über. Ein gewisses Unbehagen im so leeren Raum ließ sich nicht verdrängen. Auch die längeren Pausen die ab und an auftraten, wenn Lucas und Frank, an einem Tisch im hintern Teil der Bühne sitzend, etwas erzählten, waren kein Mittel dagegen. Nach einer kurzen Zugabe aus dem schon genannten gemeinsam erarbeitetem Lied und "Falling Star". Bei diesem letzten Lied, einem Hit von Frank the Baptist, "durften", zur Erheiterung aller, die zwei Fans, die es zuvor lautstark gefordert hatten, eine Tanzeinlage auf der Bühne einlegen. Dann war das Konzert auch schon vorbei.

Nun aber begann der zweite Teil des Abends: die leider nur noch unregelmäßig stattfindende Pagan Love Songs-Party. Hier füllte sich der Saal dann doch noch mehr bis eine ansehnliche Menge an Gästen anwesend war. Warum sie nicht vorher schon gekommen waren? An den humanen 10 £ Eintritt kann es nicht gelegen haben. Vielleicht sind die deutschen Fans einfach nicht aufgeschlossen genug für ein Projekt, das vor seinem Debüt kein (neues) Lied von sich herausgegeben hat. Man wird es wohl nicht mehr erfahren. An einem anderen Musikgeschmack kann es eigentlich nicht gelegen haben. Als DJ R.A.L.F. Thyssen den Song "If I speak" vom neuen Frank the Baptist-Album "The New Collosus" auflegte, war die Tanzfläche gut gefüllt. Eine Menge Stücke und Tanzflächenbesuche später, verließen wir gegen vier Uhr morgens erschöpft, müde, aber glücklich das Zwischenfall. Wirklich schade, dass die Pagan keinen regelmäßigen Termin mehr hat.

Fazit:
Einerseits war es ein ruhiges, persönliches und ungewöhnliches Konzert mit einer erprobt-guten Party im Anschluss, andererseits fehlte es an Konzertbesuchern. Das Problem eines Debüts, unschöne langen Pausen, in denen man leider nur die Hälfte verstand und durchschnittliche Akustik machten es auch für zwei bühnenerfahrenen und großartigen Musikern wie Lucas Lanthier und Frank the Baptist nicht leichter.
Man muss Frank und Lucas trotzdem loben. Sie hatten an diesem Abend eine unglaublich schwere Aufgabe, die sie im Großen und Ganzen trotz aller Widrigkeiten gut gemeistert haben. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und hoffen darauf, dass die anderen Auftritte der beiden vor mehr Publikum stattgefunden haben. Vielleicht bekommen wir ja noch einmal die Gelegenheit The Dirty Weather Projects in einem gefüllten Raum zu erleben. Bis dahin wird es erst einmal dabei bleiben den beiden getrennt in ihrer "normalen" Umgebung zuzujubeln.

Aiko

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