Emilie Autumn - Laced ~ Unlaced
(Trisol)
10 von 10 Punkten

Man kann viel über Emilie Autumn sagen, Faulheit kann man ihr aber definitiv nicht vorwerfen. Kaum ein halbes Jahr nach der deutschen Veröffentlichung ihres Albums "Opheliac" wurde die Doppel-CD "Laced ~ Unlaced" aus dem Autumn`schen Asylum freigelassen. Ob man diese Veröffentlichung als vollwertiges Album bezeichnen soll oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Denn ein Album im üblichen Sinn ist die Doppel-CD nicht: auf beiden Datenträgern gibt es nicht ein Wort zur Musik. Beide CDs sind vollständig nonverbal und ausschließlich der Geige gewidmet.
Die erste CD "Laced" betrachtet das Instrument von seiner klassischen Seite. In komplett akustischer Instrumentierung spielt Emilie Autumn klassische Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert, unter anderem von Johann Sebastian Bach und Jean Marie LeClair, sowie Lieder im klassischen Gewand aus eigener Feder.
Im Kontrast dazu steht die zweite CD "Unlaced", die die moderne Saite der Geige aufzieht und -zeigt. Von den Fesseln der klassischen Musik befreit und mit Effektgerät und Verzerrern ausgestattet, knallt Emilie Autumn ihren Hörern in gewohnt großartiger Manier Sounds um die Ohren, die auch ohne Texte für sich sprechen. Was Emilie an Sounds und Möglichkeiten aus ihrem Instrument kitzelt, sollte so manchen Gitarrist noch einmal darüber nachdenken lassen, ob er seine Saiten nicht lieber mit einem Bogen statt mit einem Plektron quälen will. Das Soundfeuerwerk, das im Titeltrack "Unlaced" oder in Stücken wie "Manic Depression" oder "Syringe" abgebrannt wird, gepaart mit Emilies Spielfreude ist einfach gewaltig.
Für jeden Fan ist diese Doppel-CD zweifellos ein Muss, allein um die innovative CD-Hülle in Form eines Din A 5-Buchs mit Bildern, Texten und Grafiken in Händen halten zu können, die einen Einblick in die Ideenwelt der amerikanischen Musikerin geben.
Musikinteressierte ab vom Mainstream und Fans klassischer Musik kann man diese CD ebenfalls an Herz legen. Sie bekommen zusätzlich einen Einblick in die Möglichkeiten moderner Musik, so sie denn gewillt sind über den Tellerrand zu schauen (was natürlich auch umgekehrt gilt).
Hörer, die "Laced ~ Unlaced" als Einstieg in Emilie Autumns Schaffen wählen, sei dennoch gesagt, dass es sich hier nicht um ein Album im typischen Sinn handelt, die Textlosigkeit also nicht Markenzeichen ist. Einen Fehler können sie mit dem Kauf dennoch nicht machen.
Zusammenfassend gesagt: "Laced ~ Unlaced" ist eine äußerst gelungene Komposition aus Grafik und Sound, aus klassischer und moderner Musik. Es zeigt auf, dass weder die oftmals belächelte klassische Musik noch die ebenfalls belächelte moderne Musik unvereinbare Gegensätze sein müssen. Mittlerweile höre ich öfter "Laced" als "Unlaced". Ist es schlimm, wenn ich durch Emilie Autumn Klassikfan werde? Ich denke nicht.

Aiko

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