Violet – The Book of Eden
(Equinoxe / Al!ve)

Antriebslosigkeit kann man Bianca Stücker, Sängerin und Kopf der Hammer Band Violet, nicht vorwerfen: Gleich nachdem sie im Februar diesen Jahres ihr erstes Buch veröffentlicht hatte, verschwand die studierte Musikerin mit ihren Bandkollegen im Studio. Jetzt, kaum ein dreiviertel Jahr später, präsentiert die Mittelalterformation ihren neuen Longplayer „The Book of Eden“ der gespannten Öffentlichkeit. Für das neue Album hatten es sich Stücker und Kollegen zur Aufgabe gemacht den 860 Seiten starken Historienroman „Das Buch von Eden“ von Kai Meyer musikalisch aufzuarbeiten. Augenscheinlich nicht das einfachste Unterfangen. Umso erfreulicher ist es, wie ausgesprochen gelungen ihnen ihre Arbeit geglückt ist. In 20 Titeln, aufgeteilt in vier Kapitel, feiert „The Book of Eden“ eine Vielfalt an einfühlsamen Instrumentarrangements mit anspruchsvollen Kompositionen und intensiven Texten. Violet verweben auf ihrem vierten Album klassische Elemente der Mittelaltermusik mit sphärischen Ritualklängen, Musikmuster des Okzidents treffen auf Stilelemente des Orients, einfühlsamer Gesang trifft auf drastische Originaltexte aus den Gerichtsakten der Hexenprozesse.
Während die Geschichte um die Novizin Favola und ihrer Getreuen erzählt wird, die mit dem letzten Ableger des Paradieses einen neuen Garten Eden erschaffen wollen, sich dabei aber gegen den skrupellosen Bischof von Köln behaupten müssen, schafft es das Septett die Atmosphäre der Vorlage nachfühlbar einzufangen. In ihrer Arbeit schrecken die Musiker auch vor scheinbaren musikalischen Brüchen nicht zurück: Zunächst wirkt es unpassend, wenn im Stück „Der Besessene“ unvermittelt eine E-Gitarre aufheult und das Drumming eines Schlagzeugs in der ansonsten traditionellen Instrumentierung Verwendung findet. Genauer betrachtet verdeutlicht dieser Kontrast jedoch erst besonders die Gefühle der Panik und Verwirrung, wenn der Besessene im Wahn glaubt, dass sich Schlangen in seinem Körper winden. Wer fürchten erst 680 Seiten lesen zu müssen, um „The Book of Eden“ verstehen und genießen zu können, kann beruhigt sein. Auch ohne einen weiteren Roman in sein (hoffentlich großes) Bücherregal einreihen zu müssen, funktioniert Violets neues Werk tadellos. Das sollte natürlich niemanden davon abhalten trotzdem einen Blick in Kai Meyers Roman zu werfen!
Trotz der großen Menge an Titeln verdient keines der Stücke das undankbare Label eines Lückefüllers. Jedem Stück wurde der Platz zugestanden den es benötigt, ohne dass sich die Themen störend wiederholen würden. Violet hat es verstanden in die über 68 min Spielzeit immer neue Musikelemente aufzunehmen und verschiedene Klangfamilien einzubauen. Auch beim zehnten Durchlauf der CD kann der Hörer noch neugierig und verzückt auf die Musik lauschen, ohne „The Book of Eden“ überdrüssig geworden zu sein.
Einzig kleine Produktionsschwächen fallen beim wiederholten Hören auf. An einigen kurzen Stellen scheinen sich nicht alle Instrumente synchron zusammenzufügen. Neben dieser, für das Gesamtwerk und den Hörgenuss, jedoch klar untergeordneten Kritik gibt es von mir für alle Freunde ruhiger, beseelter Musik eine uneingeschränkte Empfehlung für diese Silberscheibe. Daher von mir

9 von 10 Punkten

Aiko

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