Voltaire - Ooky Spooky
(Projekt Records)

Schon einmal auf einer Gypsy-Voodoo-Party für Zombies gewesen? Nein?
Die Musik kommt von der skelettierten Jazzgruppe auf der Bühne. Auf der Tanzfläche Untote von Ghoulen bis Geistererscheinungen. Dazu Häretiker, Philosophen und andere kritische, aber unbeliebte Gestalten an den Tischen in den Ecken. Eine ausgelassene Stimmung in bester burtonesker Unterweltmanier. Schon einmal so etwas erleben dürfen? Nicht?
Dann ist Voltaires neues Album Ooky Spooky eure Eintrittskarte in diese untote, aber unterhaltsame Welt. Mit seinem neuen Album beweist der New Yorker Musiker einmal mehr, dass es in den USA nicht nur gehirndurchspülten Stumpfsinn und patriotisches Geschreie gibt, sondern auch überdurchschnittlich gute Musik mit Sinn und Verstand.
Voltaire hat seine Fans lange darauf warten lassen, 5 Jahre sind seit dem letzten Album vergangen. Doch es hat sich gelohnt, Ooky Spooky ist umso vielfältiger und durchdachter geworden. Etwa die Hälfte der neuen Songs beschäftigt sich mit Voltaires Lieblingsthema: Sie führt uns in eine gutgelaunte Unterwelt, in der die Toten auferstanden sind. Diese haben aber eigentlich kein Interesse daran, sich an der Menschheit zu rächen, wie es sonst üblich ist - sie zu erschrecken reicht schon völlig, den Rest machen die Menschen schon selbst … ("Day of the Dead", "Zombie Prostitute" oder "Reggae Mortis"). Der zweite große Themenblock beschäftigt sich mit der amerikanischen bzw. westlichen Gesellschaft. Hier gibt der Musiker, der auch für mehrere Comics und Bücher verantwortlich ist und an Trick-und Stopmotionfilmen mitarbeitet, Einsicht in sein Verhältnis zu seinem Heimatstaat New Jersey, setzte sich ebenso mit der Ehe auseinander wie mit Religion und dem Glauben an eine Hölle ("Bomb New Jersey", "Hell in a Handbasket" oder "Stuck With You" - übrigens im Duett mit The Dresden Dolls-Sängerin Amanda Palmer). Die Voltairtypische Ironie, direkt oder zwischen den Zeilen, bleibt dabei zu keiner Zeit auf der Strecke und obwohl umgangssprachlich und leicht verständlich, wirken die Texte nie flach oder undurchdacht. Thematisch etwas aus dem Rahmen fällt das Stück "Cantina", das an Voltaires EP "Banned on Vulcan" anschließt. Wie schon auf der EP, wird auch hier die Science Fiction-Reihe Star Wars aufs Herrlichste durch den Kakao gezogen. Was dabei herauskommt, wenn eine Kantine auf Tatooine (dem Heimatplaneten von Anakin Skywalker, s. Episode I & II) mit allen Klischees einer Schwulenkneipe vermischt, muss man einfach gehört haben! Sehr wohltuend und erfrischend ist, dass Voltaire in allen Stücken gekonnt jedes typische Gruftiklischee vermeidet.
Auch musikalisch ist Ooky Spooky alles andere als einseitig. Zur bekannten Gypsygeige, Akustikgitarre und Schlagzeug haben sich eine Trompete und ein Cello gesellt, zusätzlich gibt es mehrere Klarinetten- und Klaviereinlagen. Durch diese instrumentelle Bandbreite ist es Voltaire möglich mit einer ganzen Reihe von Stilen zu experimentieren: Gypsy-, Rock-, Chanson-, Jazz-, mexikanischer Folklore- und Voodooanleihen kann man heraushören. An manchen stellen fühlt man sich auch an Danny Elfman und die von ihm musikalisch animierte Skelettband in Eric Burtons "Corpse Bride" erinnert. Zusätzliche Elemente wie Tempowechsel, Pausen, sowie dem Spiel der unterschiedlichen Ebenen von Gesang und Instrumenten und deren Parts, geben der CD noch mehr Atmosphäre und Hörgenuss.
Wer Synthesizer auf der CD sucht, wird enttäuscht sein: Voltaires Musik ist vollständig analog, für mich persönlich ein weiterer Pluspunkt.
Abschließende Bewertung: Ooky Spooky ist zu 100% zu empfehlen und rangiert bei mir derzeit als CD des Jahres. Also: "Get this CD or I get your Brain!"

Volle 10 von 10 Punkten

Aiko

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