Voltaire - To The Bottom Of The Sea

Willkommen in Vorutania! Diesem Landstrich im Nirgendwo hat Voltaires zum Startpunkt seines neuen Albums auserkoren, das schlussendlich am Grund der See endet. Aber bis es erstmal soweit ist, hat es To The Bottom Of The Sea in sich!
Thematisch beschäftigt sich das Konzeptalbum mit einer Vielzahl unterschiedlicher Dinge: Es geht um die Auswirkungen der Industrielle Revolution auf die Bevölkerung, die, um ihrem Elend zu entkommen, gegen ihren Herrscher, den "Robber Baron", rebellieren. Das Volk gewinnt, es wird gefeiert, aber erste Brüche tun sich auf und enden im Krieg um die Macht. Mitten drin beginnt die unglückliche Liebesgeschichte zweier Gypies (würden wir sie wohl, politisch unkorrekt, als Zigeuner bezeichnen). Um ein Auskommen zu haben, fährt Er zur See, während Sie, hochschwanger, allein zurückbleiben muss. Die Geschichte endet für Ihn, wie der Albumtitel vermuten lässt, am Grund der See, aber nicht mit Tod und Verzweiflung, sondern mit Piratenzombie-Feeling á la Pirates of the Carribean.
Die Songtexte sprühen, wie sollte es bei Voltaire auch anders sein, vor Witz und Ironie, herrlichen Seitenhieben und Augenzwingern, was im letzten Lied der CD, "Death Death", seinen fulminanten Höhepunkt erlebt.
Musikalisch zeigt der New Yorker Musiker eine Spannweite vom partytauglichen (und trotzdem nicht poppigen!) "Happy Birthday" bis zum nachdenklichen Antikriegs-Song "Accordion Player". Mit "Tempest" gibt es sogar ein reines Akustikstück, bei dem man sich vorstellen kann, wie das Schiff, im Sturm gefangen, von den Wellen hin- und hergerissen wird.
Während dazu in der ersten Hälfte des Albums vor allem Elemente aus der Gypsy- und (beim Dresden Dolls-Coversong "Coin Operated Goi") jiddischen Musik Verwendung finden, vermittelt der zweite Teil einem das Gefühl mitten in eine Seemannskneipe geraten zu sein. Trotz der vielen neuen Stilelemente und neuer Instrumente, wie dem allgegenwärtigen Akkordeon, bleibt Voltaires typischer Sound unverkennbar und bricht in Reinform zum Ende im schon erwähnten, phantastischen "Death Death" durch. Dazu legt der Mann eine beeindruckend erfrischende musikalische Verspieltheit an den Tag: Kleine Ausreißer aus den Songstrukturen oder unerwartete Soundeinlagen machen das Zuhören auch beim x-ten CD-Durchlauf noch interessant, unterhaltsam und zu einer Entdeckungsreise.
Seitdem To The Bottom Of The Sea in meinem Briefkasten angelandet ist, läuft das Album oft stundenlang mehrmals hintereinander. Und dabei finden sich immer noch kleine Details (sagt er am Ende vom Stück "To The Bottom Of The Sea" wirklich "For the Horde?" (s. World of Warcraft)). Wie oft ich die CD bisher auch gehört habe, sie wird einem nicht zuviel. Daher wage ich einfach zu behaupten, dass Voltaire mit dieser CD sein bisher bestes Werk abgeliefert hat. Eine wahre Musikperle, die sich der Allround-Künstler da zum zehnjährigen Musikerjubiläum selber geschenkt hat!

Volle zehn Punkte von mir! Ahoi!


Lest mehr in unserem Interview mit Voltaire !

Aiko

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